Dissidenten als geistige Schrittmacher
Transformatorische Politik hinter der Mauer
„Nichts gibt es mehr, um es in die Waagschale zu werfen. Keine Münze kann etwas entscheiden. Ortlos in sich selber. Im Niemandsland ohne Grenzstreifen. Nur diese Bewegung hinein in ihre grünblauen Augen wird für ihn zurückbleiben. Das Eintauchen. Dieser flüchtige Moment einer Berührung mit sich selbst. Die Nachhaltigkeit gespürt zu haben“ (Schleime 2008: 90).
DDR-Bürgerrechtlern scheint die Angst vor einem zweiten Verlust umzutreiben: die Angst vor der nachwirkenden Zersetzung ihrer Persönlichkeit durch das Verschwimmen der Erinnerung an die DDR. Dies hat auch mit einem schwerwiegenden Versäumnis der letzten 20 Jahre zu tun. Unter Rückendeckung des medialen und wissenschaftlichen Trommelfeuers ist der Bevölkerung nicht glaubhaft gemacht worden, dass in der Erinnerung jeder nur für sich selber sprechen kann; dass die Bürgerrechtler ihr Leid ausdrücken und als Menschen sprechen wollen, nicht etwa als Repräsentanten eines Volkes. Wann werden wir endlich lernen, einander mit offenen Herzen zuzuhören?